Die Geschichte der Brennerei
Wer genau die Destillation erfunden hat ist nicht schriftlich überliefert. Da das Wort Alkohol aus dem arabischen Raum stammt, werden die Wurzeln hier vermutet. Jedenfalls war die Erfindung aus einer zucker- oder stärkehaltigen Maische Hochprozentiges zu produzieren eine "geistreiche Idee".
Diese wurde dann von Alchimisten genutzt. Sie stellten zuerst aus Wein den Brandwein her. Auch in den Klöstern wurde Branntwein zu Heilzwecken produziert. Schriftlich überliefert ist das Weindestillationsverfahren seit Mitte des 12. Jahrhunderts.
Im späteren Mittelalter produzieren dann Bauern, Apotheker und Brauereien Brandwein und in kleinen Mengen Brände aus Obst.
Ende des 15. Jahrhunderts kam das Brennen von Korn in Mode. Dies wurde im Schwabenland aber als Sünde angesehen. Das Brennen des Getreides zu Brandwein, entzog der damals armen Landbevölkerung die Nahrungsgrundlage. Im Norden Deutschlands blieb diese Tradtion bestehen. Gegen 1750 wird die erste Kartoffelbrennerei gegründet. Um 1830 gab es alleine in Preussen rund 17.000 Kartoffelbrennereien.
Alte Destillerie
Fotografiert in der Alten Kelter, Fellbach
Der Brandwein wurde im Mittelalter auch als Lebenselixier bezeichnet. Das sollte sich mit dem 30jährigen Krieg ändern. Er wurde nicht mehr zu Heilzwecken verwendet, sondern verstärkt getrunken. Die Not und Elend dieses Krieges wurden mit dem Genuss des Brandweins erträglicher. In grossen Teilen der Bevölkerung wurde der Brandwein als Erfindung des Teufels bezeichnet. Man nannte ihn auch Trank der Hölle.
An Anfang des 18. Jahrhunderts wurden in Süddeutschland immer mehr Obstbrennereien gegründet. Die Kunst des Brennens wurde meistens vom Vater an den Sohn übergeben. Kardinal Armand Gaston de Rohan erlaubte 1726 den Oberkircher Bürgern das Brennen von Kirschen zum Eigenverbrauch. Heute ist Oberkirch, in Baden, mit rund 890 Schnapsbrennereien die Hauptstadt der Brenner Europas.
Die grösste Anzahl der baden-württembergischen Brennereien beschäftigt sich mit Obstbranntwein. Hier wird überwiegend Obst von Streuobstwiesen verarbeitet. Dies ermöglicht den Erhalt von uralten Kulturlandschaften. In Baden-Württemberg liegen etwa 120.000 ha Streuobstwiesen, welche mit ihren rund 12 Mio. Obstbäumen, seltenen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat bieten. Ausserdem sind auch ein natürliches Refugium für alte Obstsorten.


