Wie ma halt so redd!
Überall in Deutschland trifft man auf Dialekte und Mundart. Wer glaubt ein Dialekt ist ohne regionale Abweichungen der irrt gewaltig. So ist es auch mit Kurpfälzisch. Wenn sie einen Kurpfälzer verstehen, heißt das nicht das sie dessen Freund, der 50 km weiter wohnt auch verstehen.
So ist es auch mit dem volltönenden Heidelberger Kurpfälzisch. Wandlungsfähig, klangvoll und originell: So präsentiert sich diese Variante des Dialektes sehr selbstbewusst.
»Gebb net do doddelisch die Hånd, lang rischdisch hi, dass die Leit disch net fer verdrickt halde!«, hieß es mal als Erziehungsmaxime, denn für die Kurpfälzer gibt es fast nichts Schlimmeres als »verdrickte Leit«! Und lieber ein offenes Wort als »Schmuus«! Daher nimmt man beim »Schenne« und »Zammeheeße« kein Blatt vor den Mund; auch wenn zarte Gefühle sprechen, gibt man sich gerne spröde, fast grob, sprich: »olwer«.
Wie soll sich da ein Zugereister mit dem Kurpfälzer auskennen? Es braucht zugegeben seine Zeit; wer jedoch mit Geduld und Einfühlung, die feinen Nuancen zwischen Ablehnung und Zuneigung zu verstehen beginnt, findet in der Kurpfalz die besten Freunde.
»Alder Huudsimbl, bisch aa doo? Geh her, hock disch hi unn hald dei Gosch!«, kann dann eine der tiefstempfundenen Freundschaftserklärungen sein, die ein waschechter Kurpfälzer so von sich gibt.
Die Authorin Daniela M. Ziegler, selbst Heidelbergerin, weiß wovon sie schreibt. Buchstäblich mit der Muttermilch hat sie Kurpfälzisch eingesogen. Die promovierte Archäologin liebt ihren Dialekt und seine Fassetten. Das ist in ihrem ersten Buch genau festzustellen. Auf 112 Seiten werden dem Leser liebevoll die Eigenarten des etwas derben Kurpfälzisch dargeboten. Frei nach dem Motto der Autorin: “Wenn Dialekte schon ausstreben dann wenigstens nicht sang- und klanglos“.
Erschienen im G. Braun Buchverlag, ISBN 978-3-7650-8551



