Hunger ist der beste Koch.
Die Lebensverhältnisse früherer Zeiten, als man nicht wie heute aus einer Fülle von Lebensmitteln wählen konnte, waren sehr schwer für die arme Bevölkerung. Speziell auf der Schwäbischen Alb mit ihren kargen Böden und dem rauen Klima, langen Wintern und Wassermangel, mussten die Menschen aus den spärlichen Zutaten und dürftigen Mitteln etwas zaubern, um die Familien satt zu bekommen.
Bis weit ins letzte Jahrhundert war bei den Bewohnern der Albregion Schmalhans-Küche angesagt. Nur wer satt war konnte Arbeiten, dies war die Devise. Aus der Not entstanden Rezepte, die teilweise auch heute noch auf den Speiseplänen stehen. Andere Rezepte erinnern nicht an feinschmeckerische Genüsse, sondern vermitteln einem mehr den Respekt, vor der Flexibilität und der Phantasie der Köche, ihren Familien täglich etwas auf den Tisch zu bringen.
Ein altes Sprichwort sagt “ Hunger ist der beste Koch“. Was so viel bedeutet, einem hungrigen Menschen schmeckt jedes Essen, oder wie die Chinesen sagen “Dem hungrigen Bauch schmeckt jedes Essen“.
Die Journalistin, Filmemacherin und Buchautorin Gudrun Mangold, selbst auf der Alb aufgewachsen, hat mit viel Liebe und Sorgfalt, mündlich überlieferte und handgeschriebene uralte Rezepte zusammengetragen. Auf 160 Seiten hat sie die Rezepte und unterhaltsamen Geschichten, über das Leben und die Not dieser Zeit, mit Humor und einer Portion Sarkasmus beschrieben.
Bei den Beschreibungen merkt man, dass sie mit den Lebensbedingungen des kargen Landstriches bestens vertraut ist. Trotz einer spürenden Heimatliebe, wird die Härte des Alltags authentisch beschrieben.
Das Buch ist gekonnt, mit über 90 historische Fotografien, des renommierten Kameramanns und Fotografen Ernst Kubitza illustriert, sodass der Leser eintaucht in entsagungsvollen Alltag der Albbevölkerung. Neben leicht nachkochbaren Rezepten, erfährt der Leser wissenswertes und amüsantes über den Backtag, Entbehrungen, Arbeitsalltag und die bescheidenen Einkünfte durch den Leinenanbau.
Den einen oder anderen Gourmet wird es wundern, warum es ein Buch über die Küche der Alb gibt. Schaut man in die Register der Spitzengastronomie, ist dieses Gebiet nicht gut besetzt. Dennoch hat gerade die Schwäbische Alb auch Feinschmeckern vieles zu bieten. Alte traditionelle, saisonale Gerichte haben schon machen Skeptiker kulinarisch überzeugt. “Hunger ist der beste Koch“ ist bei weitem mehr als nur ein Kochbuch. Es ein kulturgeschichtliches Zeitdokument einer Region und seiner Kulinarik, dass dem Leser ein großes Buchvergnügen bereitet. GG
Erschienen im Silberburg-Verlag, ISBN 978-3-87407-525-1





